ART GOES HEILIGENDAMM

Artikelauszug aus dem STERN von Almut F. Kaspar:
art goes heiligendamm ist eine ambitionierte Zusammenstellung von unterschiedlichsten Kunst-Werken, die sich mit den Problemen der fortschreitenden Globalisierung auseinandersetzen – eine Art künstlerisches Basislager am Gipfel. Die artistische Bandbreite ist kaum zu fassen. Ob Videos, Installationen, Vorträge, Fotografie, Film, Malerei, Skulptur, Tanz – fast alles wird hier gezeigt. Mal ironisierend und mal ernsthaft, mal provokant und mal poetisch. Intelligent und spielerisch werden die Themen aufgegriffen, die man rund um den G8-Gipfel diskutiert – und mit kunstpolitischen Inhalten gefüllt.

Organisiert hat die Veranstaltung die frühere Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler gemeinsam mit der Kuratorin Jaana Prüss.

Was „normalen“ Globalisierungsgegnern ihre Sprechchöre und Plakate sind, ist dem Künstler sein Werk: Anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm zeigen 50 renommierte Künstler und Wissenschaftler in der Ausstellung „art goes heiligendamm“, was sie von der Globalisierung halten.

Der mobile Hochstand der deutschen Künstlerin Francis Zeischegg ist ein ironischer Kommentar zum umstrittenen Hochsicherheitszaun, der sich zwölf Kilometer lang um den G8-Tagungsort Heiligendamm zieht. Die Installation „Asylbox“ des dänischen Künstlers Thorbjörn Reuter Christiansen greift die problematische Unterbringung von Asylsuchenden in Deutschland auf. Franz Ackermann beschäftigt sich in seinen Bildern mit den Auswirkungen des weltweiten Tourismus – auf kleinformatigen Papieren hat er „mental maps“ gezeichnet.

Der Dirigent und Komponist Christian von Borries hat die konservierten Stimmen der G8-Staats- und Regierungschefs zu einer merkwürdigen „Gipfelmusik“ gemixt, die die Kommunikationsprobleme einer solchen Begegnung hörbar macht. Und auf das Medium TV muss hier in Rostock auch niemand verzichten. Das Fernsehprogramm „Kein.TV“ ist eine Parodie auf die Medienhysterie und wird sowohl über die Ereignisse des G8-Gipfels berichten als auch eigene künstlerische Formate zeigen.“

Beteiligte Künstler*innen (links führen auf die Projektwebseite):
Franz Ackermann; G.M.B. Akash; Azra Aksamija; Al Kasaba; Shaina Anand; Arahmaiani;
bankleer; Ursula Biemann; Sebastian Bolesch; Christian von Borries; Thorbjørn Reuter Christiansen; Gesine Danckwart; Osama Dawod; Don Edkins; Mieke Gerritzen; Stephen Gill;
Rainer Görß; Eytan Heller; Impro Deutschland e.V.; Kroko; Lawrence Liang; Andreas Liebmann, Jan van Loh; Susan Meiselas; Klaus Mettig; migration-audio-archiv; Mulititude e.V.; Dietmar Mues | sonorfeo; raumlabor_berlin; Dodi Reifenberg; Julian Röder; Gustavo Romano; Martha Rosler; Andreas Rost; Judith Siegmund; Katharina Sieverding; Jules Spinatsch; Stan’s Cafe; Larry Sultan; Lajos Talamonti; unitednationsplaza; Kai Wiedenhöfer;
YKON; Francis Zeischegg; Stephanie Zeiler; Rudolf zur Lippe

Das „Silver Pearl Congresscenter & Spa“ ist das Zentrum für ■ ART GOES HEILIGENDAMM. Auf dem Gelände am Stadthafen in Rostock, Am Strande 6 hat raumlabor_berlin eine temporäre multifunktionale Installation errichtet. Sie spielt auf die Selbstdarstellung des Kempinski Heiligendamm – „Die weiße Perle“ – an, in dem der diesjährige G8-Gipfel stattfindet. Es gibt auch tatsächlich ein Kurhaus, eine Badeanstalt, einen Golfplatz, komfortable Schlummersuiten mit Meerblick, internationale Kunst und einen Sicherheitszaun. Allerdings ist das Silver Pearl im Gegensatz zur weißen Perle ein Ort für öffentliche Gespräche, Vorträge und Reflektion über die großen Themen der Globalisierung und die lokalen Geschehnisse. Hier ist Raum für Filme und Talkshows, für Diskussion, Essen und Begegnung. Hier darf man das, was man zur gleichen Zeit in Heiligendamm nicht darf: seine Meinung kundtun, am Zaun demonstrieren und entspannen. Hier werden auch die aktuellen Geschehnisse des Tages unter dem Programmpunkt „Harvest“ täglich ab 22 Uhr zusammengefasst und gesendet.

Postkartengrüße von anderen Mauern | Grenzen | Gipfeln ■ ART GOES HEILIGENDAMM stellt 12 Litfaßsäulen im öffentlichen Raum auf, die einerseits Wegmarken zwischen den unterschiedlichen Bespielungsorten bilden, aber auch eine Installation im Stadtraum bilden. Sie tragen künstlerische Werke in den öffentlichen Raum, die sonst nur einem Kunstpublikum vorbehalten sind. Es werden Einzelarbeiten sein oder Narrative in der Ästhetik von Kontaktbögen.

■ ART GOES HEILIGENDAMM thematisiert das Verschwinden und die Neuerrichtung von Grenzen sowie deren Überwindung, psychisch wie physisch; thematisiert Zentrum und Peripherie in globaler wie regionaler Hinsicht und die ‚gerechte‘ Verteilung kultureller Aktivitäten und Angebote.

■ ART GOES HEILIGENDAMM will erfolgreiche Produktionen aus den Kunst- und Kulturmetropolen in die kulturell eher dünn besiedelte Region Mecklenburg-Vorpommerns bringen und ist ein Statement gegen die schnelllebigen Produktionen der ‚Einwegkultur‘.
Bei einigen Projekten sind Workshops mit Kindern und Jugendlichen oder andere Formen der Einbeziehung des Publikums integraler Teil der künstlerischen Arbeit. Es geht dabei auch um (Über-)Lebensstrategien von Jugendlichen aus Zimbabwe, Brasilien, Kolumbien und darum, was für sie alle Globalisierung meint. Es geht darum den Horizont für das Verstehen anderer Kulturen zu öffnen.

■ ART GOES HEILIGENDAMM kooperiert auf internationaler, bundesweiter und regionaler Ebene mit: G8-Alternativ-Summit; Dropping Knowledge, Slobodnakultura, Belgrad; NOMAD Theatre Wien; World Parliament of Clowns u.a. Die NGOs laden prominente ReferentInnen ein, wie die Nobelpreisträgerin Wangari Mathai; Vandana Shiva; Jean Ziegler; Raida Hatoum, Étienne Balibar, Ignacio Ramonet, Brian Holmes, Madjiguène Cissé, John Holloway u.v.a.

■ ART GOES HEILIGENDAMM wird gefördert von: Hansestadt Rostock, Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin; Die Grünen | EFA im Europaparlament; Fonds Darstellende Künste e.V.; Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung; die tageszeitung; Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte; Goethe Institut Ägypten; Sammlung Falckenberg; Sammlung Marzona und Daniel Richter;

■ ART GOES HEILIGENDAMM wird unterstützt durch NGBK Berlin; KW Institut for Contemporary Art Berlin, Ströer out of home media; Labor Pixel Grain Berlin und mehr als 50 privaten Spender*innen.